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Maßnahmen zum Verbot der Latexprodukte

Die Krankheit der Josephine Pandolfo fing vor drei Jahren an. An ihrer Hand traten leichte Hautausschläge auf, welche von einem chronischen Sinus-Kopfschmerz begleitet wurden. Ihr Zustand verschlimmerte sich Tag für Tag.

Es gab Tage, an denen der Zahnärztin sogar das Atmen schwer fiel. Ihre Zunge schwoll an und sie konnte nicht schlucken. Wegen einer oft tödlich verlaufenden allergischen Reaktion während einer Anaphylaxie verlor sie im Hospital beinahe ihr Leben.

Schließlich bestätigte eine Untersuchung, dass Pandolfo auf Latex, d.h. auf deren Gummiprodukte, unter anderem auch auf medizinische Handschuhe oder Schnuller für Babys, sehr stark reagiert.

Pandolfo ist nur eine von 18 Millionen Amerikaner (dies sind etwa sechs Prozent der Bevölkerung) die gegen Latex eine Überempfindlichkeit haben. Zwischen 1989 und 2002 verursachte diese Allergie sogar mindestens 21 Todesfälle. Davon starben sechszehn Patienten auf Grund des zum Bariumeinlauf benutzten Latexschlauch. Das Produkt wurde inzwischen vom Markt genommen.

Den bisher heftigsten Angriff auf die Verwendung von Latexprodukten startete eine Anwältin. Sheldon Whitehouse rief Krankenhäuser, Restaurants und die Hersteller von Latexhandschuhen dazu auf diese nicht mehr zu verwenden bzw. nicht mehr herzustellen. Sie verfasste eine Eingabe, in welchem sie das Gesundheitsministerium öffentlich aufforderte, die Benutzung von Latex im Gesundheitswesen, in Restaurants und in den Kindertagesstätten einzugrenzen.

Diese Botschaft soll in der Öffentlichkeit vernommen werden - verlangte Whitehouse. Vor allem gibt es keine Notwendigkeit Latexprodukte bei der Bedienung in Restaurants und in den Kindertagesstätten zu verwenden. Im medizinischen Bereich ist der Verzicht auf sie schon schwieriger, da Alternativprodukte kaum die Qualität der Latexhandschuhe erreichen.

Whitehouse traf sich mit dem Vertreter der Allegiance Health Corp - ein Hersteller von Gummihandschuhen. Sie forderte ihn auf mehr Nicht-Latex-Produkte herzustellen. Außerdem machte sie ihm das Ausmaß der allergischen Reaktionen in der Bevölkerung bewusst.

Diese Krankheit ist sehr kompliziert. Die Verbraucher können nicht so schnell feststellen, ob die Produkte Latex enthalten oder nicht, daher ist das Risiko sehr hoch. Man kann nie wissen, ob man gerade den Gefahren dieser Allergie ausgesetzt ist.

Aus dem milchigen Saft des Baumes Hevea brasiliensis (Kautschukbaum oder manchmal auch Gummibaum genannt) werden ungefähr 40.000 Produkte hergestellt z.B. Ballons, Pessar, Kondome oder Mauspads. Von den 40.000 Produkten sind etwa 300 medizinische Produkte.

Unglücklicherweise startete das Gesundheitsministerium ein Initiative zur Benutzung von Latexprodukten: Verpflichtend müssen seit 1987 nach diesen Vorschriften alle im medizinischen Bereich Beschäftigte Gummihandschuhe benutzen, die als Mittel gegen die Verbreitung des HIV-Virus helfen sollen. Im Jahr 1987 verbrauchten die Amerikaner zwei Milliarden Gummihandschuhpaare. Heutzutage überschreitet diese Zahl die zwanzig Milliarden Grenze.

Mit der Verbreitung des Latex erhöhte sich die Zahl der Allergiker gegen natürliches Gummi dramatisch. Laut FDA (Food and Drug Administration, US-amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit) passierten zwischen dem Januar 1985 und März 1999 fünf Todesfälle wegen Latexhandschuhallergien. Außerdem wurden noch in diesem Zeitraum 2330 allergische Reaktionen registriert.

Mit der Verbreitung der Latexhandschuhe ging leider auch der Anstieg allergischer Reaktionen Hand in Hand - diese Meinung ist der auf Arbeitsunfähigkeit spezialisierte Anwalt Jim Brady. Er vertritt bereits mehr unter Latexallergie leidende Krankenpfleger als irgendjemand sonst in New England.

Allergischen Reaktionen wie nesselsuchtähnliche Hautprobleme treten 12 bis 36 Stunden nach dem Handschuhgebrauch auf. Dies ist zwar nicht lebensgefährlich, aber bei manchen kann zudem eine Reaktion gegen Latexeiweiß hinzukommen. Bei einer starken allergischen Reaktion können nicht nur die Haut, sondern auch andere Organe geschädigt werden. Es treten Juckreiz und Asthma auf. In Extremfällen kann auch ein anaphylaktischer Schock ausgelöst werden.

Bei der Zahnärztin Josephine Pandolfo wurde die allergische Reaktion durch verschiedene Ereignisse ausgelöst: Lebensmittel, die in Gummihandschuhen zubereitet wurden, Latexstaub aus ihrer Praxis oder einmal ein Glas Wasser, welches ihr ebenfalls in Gummihandschuhen überreicht wurde.

Ich gehe nirgendwohin essen, ohne vorher mit dem Küchenchef über meine Allergie gesprochen zu haben. Ansonsten kann es für mich lebensgefährlich werden - sagte sie.

Wenn sie verreist, sie ruft das Hotel an, um mit dem Küchenchef zu reden. Im Flugzeug verzichtet sie auf die dort angebotenen Speisen. Außerdem benutzt sie nur noch selbstklebende Briefmarken. "Ich kann keine Briefmarke "abschlecken". Sowie auch keinen Briefumschlag. Überall lauert Latex und man kann daran sterben."

Dem größten Risiko sind Beschäftigte im medizinischen Bereich ausgesetzt. Nach Schätzungen der American Academy of Family Physicians besteht bei 10 bis 17 Prozent dieser Beschäftigten (Krankenpfleger, Zahnärzte, Chirurgen) das Risiko einer Latex-Reaktion. Bei Kindern mit der Krankheit Spina bifida sowie bei Menschen mit einer Veranlagung auf Heuschnupfen oder Allergie ist das Risiko ebenfalls groß.

Viele Krankenhäuser wechselten freiwillig auf Nicht-Latexhandschuhe, andere Gesundheitsinstitutionen verzichten nicht gerne auf Handschuhe aus Latex. Viele Restaurants, Kindertagestätte und Kosmetikstudios benutzen weiterhin Latex, nicht wissend, dass sie mit einem lebensgefährlichen Allergen arbeiten.

An diesen Arbeitsplätzen, an welchen immer noch Latexhandschuhe benutzt werden, wurden noch nicht bekannt gemacht, wie gefährlich die Handschuhe sind - meint Gail Lenehen der Redakteur der Zeitschrift Journal of the Emergency Nurses Association. Lenehen erlitt vor drei Jahren einen anaphylaktischer Schock, als er in Boston an der Notaufnahme des Massachusetts General Hospital arbeitete. Die Warnungen erreichten leider noch nicht alle Krankenpfleger, Ärzte und Friseure.

Die National Institute of Occupational Safety and Health empfahl 1997, dass bei allen Tätigkeiten, bei welchen man nicht mit infektiösen Stoffen (Kochen, Haushaltsarbeit) in Berührung kommt, sie lieber Handschuhe benutzen welche kein Latex enthalten. Noch im selben Jahr führte die FDA ein, dass auf allen Produkten gekennzeichnet sein muss, wenn sie aus Latex bestehen.

Der Fortschritt auf diesem Gebiet ist aber immer noch zu langsam, kommentiert Whitehouse, die seit Januar 1999 an diesem Programm arbeitet. Einige Restaurants verzichteten freiwillig auf Latexhandschuhe, aber viele Unternehmen benutzen weiterhin diese Allergene.

Es geht hier um Geld - behauptet Brady. Die Vinylhandschuhe sind nicht so billig, wie diejenigen aus Latex. Außerdem kann man Latex fast überall kaufen. Brady stellt fest, dass sich die Gesundheitsindustrie in diesem Irrglaube, dass die Latexhandschuhe immer billiger sind, wiegt. Und dies obwohl viele, aus anderen Stoffen hergestellten Produkte, genau so gut sind und bei den Preisen mit den Latexprodukten mithalten können.

Der Widerstand gegen diese Kampagne ist sehr groß - behauptet die Evelyn Bain, die Co-Direktorin der Massachusetts Nurses Association. Es ist aber leider sehr unvernünftig nicht mitzumachen.

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